Lebe dein Profil – Ein Benefizkonzert, das tief berührt

von Regina Neufeld
Schon als wir auf das Gelände fahren, wissen wir, dass es ein besonderer Abend sein würde. Wie sollte er auch nicht? Uns erwarten zwei Frauen, die ich fest in mein Herz geschlossen habe, weil sie mich - jede auf ihre Art und Weise - immer wieder berühren.
Die sommerlichen Temperaturen ermöglichen schon im April ein Open-Air-Konzert im Garten des Cafés von Scheideweg. Ein leckerer Drink und der VillaVie-Keks, der viel zu schön ist, um ihn zu essen, heißen uns Willkommen. Und da sind sie auch schon Tirza Schmidt und Valerie Lill.
Wir bestellen noch einen Kaffee und dann geht es auch schon los. Valerie singt und slamt einen tiefgründigen Satz nach dem anderen und ich beschließe, dass ich gleich ihr neues Songbook kaufen werde, um alles noch einmal nachlesen zu können. Was ich an ihren Texten besonders finde, ist, dass man ihr anmerkt, dass sie in ihrem Leben bereits Schweres erlebt hat und trotzdem strahlt sie diese Herzlichkeit und Liebe aus.
Eines meiner Liebelingslieder von ihr ist "Die Hoffnung lebt zuletzt":
Ich kann es kaum mitansehen, wie du dich quälst!
Ich sterbe tausend Tode mit, weil du mir fehlst.
Ich vermiss dein Lachen, deine Nähe, ich vermisse dich!
Der Riss in deinem Herz, er zerreißt auch mich!
Ich hab gekämpft wie ein Löwe und starb wie ein Lamm.
Ich hab dich gerettet, besiegte den Bann.
Die Fesseln, sie fallen, der Vorhang zerreißt.
Die Türen stehn offen, der Morgen verheißt:
Die Hoffnung lebt zuletzt!
Den Rest des Liedes könnt ihr euch auf ihrer CD anhören.

Und dann kommt Tirza nach vorne. Obwohl ich ihre Arbeit schon länger kenne, bin ich jedesmal neu beeindruckt, sie selbst darüber sprechen zu hören. Wer nach Inspiration und Ermutigung sucht, seiner Vision und Berufung zu folgen, der sollte sie auf jeden Fall in der VillaVie besuchen und die eigene Gemeinde einladen. Sie ist eine Frau mit ganz viel Begeisterung und Vertrauen in Gott.

Tirza hat mit der VillaVie einen Ort für Menschen geschaffen, die ein oder mehrere Abtreibungen erlebt haben. Oder auch für Väter und Geschwister von Kindern, die nicht auf die Welt kommen durften. In ihrer Hebammenausbilfung ist sie mit dem Leid, das damit verbunden ist, in Berührung gekommen und engagiert sich seitdem für diese Menschen. Sie denkt aber noch weiter. Denn da sind auch Ärzte, Krankenschwestern und Hebammen - auch mit ihnen passiert etwas, wenn sie ein ungeborenes Leben auslöschen.
Die VillaVie ist ein Ort, an dem jeder willkomen ist, mit seiner Geschichte. Da ist keine Verurteilung, sondern Liebe und Annahme. Es kommen auch Frauen dorthin, die noch vor der Frage stehen, ob sie ihr Baby behalten oder nicht. Aufzwingen kann man seine Überzeugung niemandem, aber man kann die Augen für Möglichkeiten und Hilfsangebote öffnen, für die viele Frauen blind sind aus Angst, allein dazustehen.

Ich muss zugeben, dass ich vor einigen Jahren schwarz-weiß gedacht habe. Die Frauen, die ihr Kind abtreiben, standen auf jeden Fall auf der schwarzen Seite. Nachdem wir selbst unseren Samuel bekommen haben, der mit seiner Trisomie 18 für "nicht lebensfähig" oder "nicht lebenswürdig" eingestuft worden wäre, hätten wir die Diagnose schon während der Schwangerschaft bekommen, empfand ich eine persönliche Wut auf jeden, der anders dachte als ich. Dank Tirza verschwand diese Wut und machte Raum für Liebe und Mitgefühl. Tirza, dich zu kennen, ist ein Geschenk für mich!
Nach dem ersten Teil des Konzerts durften wir uns am Fingerfood bedienen und durch den wunder-, wunderschönen Laden stöbern. Wir konnten uns nicht satt sehen an den vielen Sachen, die das Leben und die Wohnung einfach schöner machen.

Dann geht es im Dunkeln weiter. Mein Herz ist voll. Hinterher kann ich mich noch etwas mit Tirza unterhalten und ich hoffe, dass wir es bald schaffen, unsere Idee eines gemeinsamen Projekts umzusetzen.
Es ist beschlossen: Dieses Café werde ich sobald wie möglich mit meiner Familie besuchen und Tirza bekommt Besuch vom lily white Team. Wir fahren übervoll und dankbar nach Hause.

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