Gutes erwarten und erleben

von Christine Dusdal
Ich sitze im Tal, schau aus meinem Fenster hoch, dorthin wo ich die Berge vermute. Doch sehen kann ich nur eine dichte Nebelwand. Die Luft ist feucht und liegt schwer, befeuchtet mein Haar, dass es sich wieder wellt.
Grau scheint die Welt, der blaue Himmel so fern. Kaum ein Sonnenstrahl schafft es durch die graue Wand. Dabei sehne ich mich so sehr nach dem hellen Blau des Himmels, die weiß bedeckten Berge, den schimmernden Schnee und die frisch präparierten Skipisten. Doch davon ist weit und breit nichts zu sehn.
Dass da mal was war, ist kaum zu glauben. Fast habe ich schon vergessen, wie es mal aussah. Der Glaube daran, dass es den blauen Himmel irgendwo hinter der Nebelwand noch gibt, wird immer kleiner, fast schon ist er fern.
Es ist erschreckend, wie schnell ich vergesse, was mal da war oder wie es aussah, wenn ich es nicht mehr vor Augen habe. Sehe ich es nicht mehr und ist es nicht mehr zum Greifen nah, schwindet es dahin, als wäre es nie da gewesen. Möchte ich mich dran erinnern, das Bild noch mal vor Augen rufen, kostet es mich Konzentration und künstlerische Maximalarbeit. So schnell vergesse ich, so schnell ist der Glaube an etwas aufgegeben.

Zweifel, der den Mut raubt

So sitze ich hier unten im Tal unter der Nebeldecke und frage mich: Ist da oben noch was? Kann es wirklich sein, dass da ein blauer Himmel und die weißen, schneebedeckten Berge sind? Strahlt die Sonne wirklich noch für mich und werde ich ihre wärmenden Berührungen auf meinen Wangen spüren? Fast kann ich es nicht glauben, denn das einzig Sichtbare und fast Greifbare ist nur die feuchte, dichte Nebelwand. Sie hindert mich am Sehen, versperrt mir die Sicht, möchte mir die Hoffnung an die Schönheit dahinter rauben.
Wird es nochmal schön? Gibt es noch Hoffnung? Nein, schreit der Nebel! Nein, das ist alles, was du heute zu sehen bekommst. Gib auf zu kämpfen. Gib auf, an etwas zu glauben, was nicht da ist. Vergeude nicht deine Kraft für etwas, was du nicht sehen kannst. Wozu auch? Um enttäuscht zu werden? Warum solltest du dir das antun? Erwarte nicht zu viel! Das ist alles, was du bekommst. Sei zufrieden damit. Senk den Blick. Lass mich dich umhüllen und dich mit Selbstmitleid benetzen.
Der Kampf um Hoffnung, der Kampf darum, einen Blick hinter den Nebel zu werfen, ist zu schwer, weckt falsche Erwartungen. Bleib im Tal, steig nicht auf den Berg, such nicht nach mehr.
Fast gebe ich mich geschlagen, will meine Hoffnung vergraben, den Glauben aufgeben. Ich senke den Blick, such nicht mehr nach den Bergen. Viel zu oft habe ich mir Hoffnungen gemacht, mich am Glauben gehalten und dann wurde doch nichts draus. Etwas besseres als das hier? Nein, das gibt es nicht.

Ermutigung, die Hoffnungen weckt

Doch dann kommt jemand und sagt: Ich habe es gesehen... Hinter dem Nebel da strahlt die Sonne! Die Pisten schimmern und die Berge strotzen um die Wette! Glaub daran, mach dich auf den Weg. Du wirst es sehen! Bleib nicht im Tal. Mach dich auf den Weg. Das Leben dahinter, das gibt es wirklich und es wird dir den Atem rauben, deine kühnsten Vorstellungen zersprengen und dir das Bild deiner Sehnsucht wieder vor Augen führen. Glaube daran, mach dich auf den Weg!
Ist das die Wahrheit? Soll ich es glauben? Soll ich es nochmal wagen und mich auf den Weg machen? Auf weitere Enttäuschungen kann ich verzichten. Der Glaube daran, dass noch etwas Gutes auf mich wartet, habe ich schon fast vergraben. Das Bad des Selbstmitleides ist schon vorbereitet. Das hier unten wäre so bequem, so einfach und trügerisch sicher. Will ich es wagen? Will ich das hier verlassen? Es klingt schon fast lächerlich in meinen Ohren, dass da oben etwas sein soll. Und fast schon glaube ich, dass es eine Lüge ist.
Leise meldet sich in mir der Wunsch, doch zu glauben. Ich möchte glauben, dass da mehr ist. Ich möchte mich auf die Suche machen. Wenn ich mich hier umschaue, dann ist da nicht viel, was mich hält. Es ist beschlossene Sache! Ich gehe auf den Berg.
Nach einer Weile sitze ich im Lift, fahre durch den dichten Nebel, versuche den Boden zu entdecken oder das Blau des Himmels zu erhaschen. Doch nichts, nichts als eine graue Wand. Der Schritt ist getan, jetzt heißt es: alles oder nichts! Erwartungsvoll schaue ich hoch, zur Seite und zurück. Wird er kommen, der Moment, auf den ich warte? Werde ich sehen, wie sich meine Hoffnung erfüllt?

Glück, das hinter dem Nebel wartet

Dann taucht er auf, der Moment des Glücks. Still und heimlich, aus dem Nichts gegriffen, befreit vom Nebel, herausgerissen aus der Hoffnungslosigkeit. Da steht er, stolz in voller Pracht. Da ist er! Der Moment! Ich kann es kaum fassen, mein Atem stockt. Aufgerissen ist die Nebeldecke, befreit mein Blick. Vor mir liegt eine Berglandschaft von sanftem Blau umhüllt. Die Sonnenstrahlen tanzen auf dem Schnee, werden von Kristallen eingefangen. Ich kann es kaum fassen, schmeiße mich von einer Seite zur anderen. Ich will ihn einfangen, diesen Moment. Ich schaue nach hinten und sehe die Nebelschicht hinter mir. Ich schaue nach vorne und will tanzen, so sehr erfüllt mich dieser Anblick. Die Hoffnung wurde nicht enttäuscht, das Loslaufen hat sich gelohnt. Niemals würde ich dieses mit dem Leben im Tal eintauschen. Ich traue mich kaum, daran zu denken, was ich verpasst hätte, wäre ich im Tal geblieben.
Doch ich will nicht daran denken, verlasse den Lift, schnalle mein Board an und erobere die Pisten in voller Breite und Länge! Vor mir liegt ein Land, das erobert werden will!

Gott, der das Beste für mich will

„Das ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, eine Überzeugung von Tatsachen, die man nicht sieht.“ (Hebräer 11, 1.) Der feste Glaube daran, dass Gott eine gute Zukunft für mich hat, setzt mich in Bewegung, lässt mich das Tal verlassen. Solange ich daran zweifle, dass es Gott gibt und er Gutes für mich will, bleibe ich lieber dort, wo ich gerade bin. Dort, wo es Sicherheit gibt, mich das Gewohnte umgibt und Verletzungen fern scheinen. Oftmals fällt es mir schwer, daran zu glauben, dass Gott Gutes für mich möchte, ich sehe ihn nicht und erwarte dann auch nicht viel von ihn. Doch gehe ich auf die Suche nach ihm, lese in der Bibel, rede mit ihm oder singe ihm Lieder, erinnert sich mein Herz an ihn und an das, was er in meinem Leben schon getan hat. An die krummen Situationen, die er wieder gerade gemacht hat, an die einsamen Momenten, in denen er nah war und an den Trost, den er mir geschenkt hat. Mein Herz will ihm nah sein und traut sich, aus dem Tal zu laufen, auf die Suche zu gehen. Ich möchte ihn finden, weil ich seinem Versprechen glaube. Ich klammere mich dran fest und mache mich auf den Weg. Ich beschließe zu glauben. Ich glaube, dass da mehr ist, dass er mehr für mich hat. Er ruft mich zu glauben und mutig zu sein.

Gutes, an dem ich festhalte

„So werft nun eure Zuversicht nicht weg, die eine große Belohnung hat! Denn standhaftes Ausharren tut euch Not, damit ihr, nachdem ihr den Willen Gottes getan habt, die Verheißung erlangt.“ (Hebräer 10, 35)
Abraham erlebte zu seiner Lebenszeiten noch nicht die Erfüllung aller Verheißungen, aber einen großen Teil davon, weil er Schritte im Vertrauen ging. Gott möchte, dass ich am Glauben festhalte, an ihm klammere, auch wenn es nebelig um mich ist und ich das Blau des Himmels nicht sehe. Er ermutigt mich, festzuhalten, weil er weiß, welches Ende dieser Weg für mich nehmen wird. Er sieht den Himmel am Gipfel des Berges. Er ruft mir zu, es zu wagen, weiterzugehen und ihm zu vertrauen, denn die Belohnung ist groß und es lohnt sich auszuhalten. Manchmal erwarte ich nicht viel von Gott, von Menschen oder Situationen und höre dann auf halber Strecke auf zu laufen. Dann will ich mich verkriechen, im Selbstmitleid baden, die Bequemlichkeit bevorzugen. Um darin nicht zu versinken, brauche ich Freunde, die mich immer wieder daran erinnern, wie Gott ist und dass ich Großes und Gutes von ihm erwarten kann. Freunde, die mich ermutigen weiter zu gehen, weil hinter der Nebelwand der blaue Himmel wartet.
Solltest du noch im Tal sitzen und sehnsüchtig nach den Bergen Ausschau halten, dann suche das Gespräch mit Freunden, denen gegenüber du ehrlich die Maske fallen lassen kannst. Lass dir die Sonne zeigen und den Blick wieder freiräumen. Erinnere dich an das Gute, das Gott dir geschenkt hat, und suche seine Nähe! Die Belohnung ist es wert durchzuhalten!

 

1 Antwort

  1. asdfDSF

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