Eine Lektion vom Schminkstuhl

Foto: Igor Tkachenko
"Mein Gesicht is so unsymetrisch...meine Nase ist so krumm...ich hab solche Augenringe...meine Lippen sind viel zu dünn...meine Haut ist so schrecklich...es tut mir echt leid, dass du mit so einem pickeligen Gesicht arbeiten musst!"...
Dies sind nur ein paar wenige Beispiele der vielen Entschuldigungen von den Frauen, die ich geschminkt habe. Eines meiner größten Hobbys ist Schminke. Ich liebe es, verschiedene Looks und Farben auszuprobieren. Am meisten mag ich es, andere zu schminken. Doch jedes Mal bin ich von Neuem überrascht von der Art, wie Frauen sich selber schlecht reden. Ich kann es nicht fassen, dass sie sich entschuldigen, dass ich mit ihrem Gesicht arbeiten "muss"!

Sie sehen nicht, was ich sehe

Gesichter faszinieren mich und ich empfinde jedes Gesicht und jede Frau als eine individuelle Schönheit. Ich liebe es, mit verschiedenen Gesichtsformen, Hautfarben und Augenformen zu "arbeiten." Ich freue mich über jede Möglichkeit, ein mir "neues" Gesichtsmerkmal zu schminken. Ich sehe Pickel nicht als eklig, sondern als eine Mutprobe, die mir die Möglichkeit gibt, eine optische Täuschung zu erzeugen und die roten Punkte restlos verschwinden zu lassen. Es macht mir wirklich Spass und mir fallen bei jedem Schminken viele besondere Details auf. Darum ist es für mich ein totaler Schock, wenn diese wunderschönen Frauen damit anfangen, sich innerhalb der ersten Minute zu bemängeln.
Nur zur Erklärung: Es ist auf jeden Fall hilfreich, wenn mir die Frau, die ich schminke, mitteilt, was sie an sich selbst stört und was ich betonen soll. Ich meine hier aber, dass sie damit anfangen, sich selbst zu beleidigen und zu entwerten.
Es bricht mein Herz, wenn ich merke, dass sie einfach nicht das sehen können, was ich sehe. Leider sind die Medien nicht besonders hilfreich, weil sie so tun, als gäbe es nur eine Version von perfekter Schönheit. Diese Frauen sehen leider oft nur die Tatsache, dass sie diesem Bild nicht entsprechen. Ich persönlich feier, dass sie nicht in diese Schablone passen, weil ich Vielfalt viel schöner und interessanter finde.

Manchmal tue ich das Gleiche...

Obwohl ich so ungläubig darüber staune, wie sich diese Frauen selber sehen, merke ich, dass ich genau so bin. Während ich mich traurig und kopfschüttelnd frage, wie sie ihre Schönheit übersehen können, wird mir bewusst, wie ich mich in Gedanken selber runter mache...boah, wenn ich nur so schön aussehen würde,...ich wünschte ich hätte so schöne Augen wie sie...sie hat so schöne Augenbrauen im Gegensatz zu mir…
Manchmal spreche ich diese Gedanken sogar aus, mit dem Ziel, die Frau in meinem Schminkstuhl zu ermutigen und ihrer falschen Selbsteinschätzung entgegenzuwirken. Oft sage ich Sachen wie: "Weisst du, wie viel ich geben würde, um mit dir Gesichter zu tauschen?!" "Ich wünschte, ich hätte so schöne volle Lippen wie du." "Ich hätte so gerne deine wunderschönen, markanten Wangenknochen." "Diese Farbe sieht so toll bei dir aus, mir steht sie überhaupt nicht."
Ich sage all diese Dinge mit dem ehrlichen Wunsch, ihr klar zu machen, wie schön sie ist. Ich rege mich darüber auf, dass sie nicht das sehen kann, was ich sehe, und dabei tue ich das gleiche. Wie oft wir Frauen das doch machen, dass wir andere aufbauen wollen und uns dabei selber runterziehen! Warum erzähle ich das? Weil ich dich zum Nachdenken anregen möchte. Mir war diese Tendenz komplett unbewusst, bis mich jemand darauf hingewiesen hat.

Lebe Ermutigung, ohne dich dabei abzuwerten!

Ist dir auch schon mal aufgefallen, dass du bei dir selbst einen anderen Massstab anwendest als bei anderen? Falls das bei dir der Fall ist, möchte ich dich ermutigen: Entschuldige dich nicht für dein Aussehen! Gott hat dich wunderbar und wunderschön gemacht! Danke Gott dafür! Bete zum Beispiel den Psalm 139: "Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele." (Vers 14)
Ich glaube, dass Zufriedenheit und Dankbarkeit dafür, was Gott uns gegeben hat, große und hilfreiche Schritte zur Selbstannahme sind. Einer der größten Stolpersteine auf dem Weg zur Zufriedenheit ist das Vergleichen mit anderen.
Darum: Auch wenn du es gut meinst, dein Kompliment an jemand anderen wird nicht größer oder ermutigender, wenn du dich selbst dabei beleidigst und abwertest. Das gilt sowohl für äußerliche als auch geistliche Komplimente. Du kannst es üben, Ermutigungen ohne abwertende Vergleiche mit dir selbst auszusprechen.

2 Antworten

  1. Dabke für diesen Beitrag! Aus dieser Sicht habe ich das tatsächlich noch nie gesehen. Darüber werde ich definitiv weiter nachdenken! :)
  2. Liebe Katharina, wir freuen uns, dass wir dich inspirieren konnten. Sei reich gesegnet! Dein lily white Team

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