Die Fortsetzung

von Christine Dusdal
Fortsetzung vom Artikel „Schlüsselmoment“https://www.lily-white.de/portfolio-view/schluesselmomente/
Heute habe ich frei und bin zu einem späten Frühstück mit meinen Mitbewohnerinnen verabredet. Kurz bevor ich auf die Terrasse schlendere, rufe ich noch kurz auf meiner Arbeit an, um zu erfahren, warum meine Arbeitskollegin im Minutentakt anruft und dann noch eine Nachricht hinterlässt, dass ich sie doch bitte schnell zurückrufen soll. „Christine, was für eine Farbe hatte dein geklautes Portemonnaie?“, höre ich aus dem Lautsprecher. "Mein geklautes Portmonee?" - "Jaaa, was hatte es nochmal für eine Farbe?"
Es sind jetzt schon fast 2 Jahre vergangen, dass mir meine Handtasche mit dem besagten Portemonnaie auf der Arbeit aus dem Spind geklaut wurde. Da ein wichtiger Schlüssel in der Tasche war und mir eine große Summe an Entschädigung bevorstand, hatte mich diese Situation ziemlich aufgewühlt. Warum muss ich für Ungerechtigkeit bezahlen? Gott, warum greifst du nicht ein? Fragend und verzweifelt wendete ich mich im Gebet an Gott. Ich stand kurz vor meiner Bachelorarbeit und dieser bevorstehende Schuldenberg schien mir meine Nerven zu rauben. 

Friede-Geber 

Tragend und unglaublich beruhigend wirkte der Friede auf mich, der sich in einem verzweifelten Gespräch mit Gott plötzlich auf meine Seele legte. Voller Gewissheit wusste ich: Gott setzt sich bei Ungerechtigkeit ein und ich darf ihm vertrauen. Er hat es in der Hand. In Johannes 14,27 sagt Jesus: 
Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht wie die Welt gibt, gebe ich euch.“ Joh. 14, 27 (Elb.)
In diesem Zusammenhang redet Jesus über den Heiligen Geist, den er uns als Tröster gibt. Diese Worte wurden für mich das erste Mal Realität. Gestärkt durch diesen Frieden konnte ich die Situation gelassen an Gott abgeben und an meiner Bachelorarbeit schreiben.
Kurze Zeit später stand der Betrag fest, den ich für den Schlüssel bezahlen musste, und war weit geringer, als zuvor festgelegt. Das war für mich schon eine große Führung Gottes. Doch die Geschichte sollte hier nicht enden. Zwar hatte ich erlebt, wie der Friede Gottes aussieht und welche wunderhafte Ruhe er hinterlässt, doch Gott wollte weitergehen, Größeres zeigen.
Ich dagegen hatte schon abgeschlossen, denn der Betrag war bezahlt, Frieden hatte meine Seele zur Ruhe gebracht und mich eine neue Dimension an Tiefe in der Beziehung zu Gott kennen lernen lassen. Zwar war die Tasche noch nicht gefunden und das Portemonnaie und der Schlüssel blieben auch verschollen, aber für mich hatte sich diese Geschichte schon zu einem guten Ende bewegt. Aber Gott wollte anscheinend noch weitergehen. So erhielt ich zwei Jahre später eine sonderbare Nachricht.

Wunder-Geber 

„Es wurde wieder eingebrochen und der Täter hat dein Portmonee, das vor 2 Jahren geklaut wurde, hier gelassen“, erklärt mir meine Kollegin. Kurz nach ihrer Nachricht treffen wir uns im Café und sie erzählt mir die Ereignisse, der letzten Schicht. Es muss derselbe Täter wie vor zwei Jahren gewesen sein, der in der letzten Nacht eingebrochen ist. Auf seiner Flucht ließ er mein Portemonnaie auf dem Tisch liegen. Meine Kollegin schaut mich fassungslos an: „Christine, das kann doch nur dein Gott gewesen sein, an den du glaubst, oder?“ In diesem Moment wusste ich: Gott hat diese Geschichte noch weitergeführt, um auch das Herz meiner Kollegen anzusprechen. Meine Kollegen haben vor 2 Jahren alles mitbekommen und auch erfahren, dass ich durch Gebet Ruhe über die Situation bekommen habe. Jetzt zwei Jahre später wirkt Gott ein Wunder und spricht dadurch meine Kollegen an. Wer sonst kann einen Verbrecher dazu bewegen, das geklaute Portemonnaie wieder zurückzubringen? 
Weitere zwei Monate später kam dann auch die komplette Handtasche mit dem Schlüssel zurück. Gott ist am Werk. Auch in aussichtslosen Situationen hat er noch alles in der Hand und kommt an sein Ziel.
„..., so wird mein Wort sein, das aus meinem Mund hervorgeht. Es wird nicht leer zu mir zurückkehren, sondern es wird bewirken, was mir gefällt, und ausführen, wozu ich es gesandt habe.“ Jes. 55, 11 (Elb)
Diese Wahrheit bleibt bestehen und daran dürfen wir festhalten und drauf vertrauen.

Bestes-Geber 

Was zeigt mir diese Geschichte über Gott und sein Wirken? Ist es nicht so, dass wir für viele Dinge beten und um eine Antwort und Gottes Wirken flehen und keine Wirkung sehen? 
Ist Gott taub? Interessiert er sich nicht für meine Situation? So lautet dabei unsere Anschuldigung. Zweifel machen sich breit und die Güte Gottes und seine guten Gedanken über mich scheinen eine Lüge zu sein. Doch seine Gedanken sind höher als meine Gedanken und auch seine Wege unbegreiflich und größer als meine Wege. Er sieht viel weiter als ich, hat den ganzen Überblick. Ich sehe nur meine kleine Welt und meine Bedürfnisse. So weit und groß wie Gott kann ich gar nicht denken. Meine Vorschläge für die Klärung der Probleme sind minimal im Gegensatz zu seinen Möglichkeiten. Gott kann Geschichten schreiben, die noch keiner geschrieben hat. 
Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der Herr. Denn so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.“ Jes. 55,8-9 (Elb.)
Wie unfassbar sind für mich seine guten Gedanken über mich! Wie viel höher und größer sind seine Pläne. Als seine Tochter, als sein Kind darf ich mir seiner guten Gedanken über mich sicher sein. Sein Jubel gilt mir, sein Liebe blüht für mich und seine Pläne zielen auf mein Bestes. Was für ein Gewinn habe ich in meinem Vater!

Halt-Geber 

Nicht immer werden Gebete wunderhaft und übernatürlich beantwortet. Ein „Nein“ gehört zur Erziehung und zur Förderung der Kinder dazu. Ist es auch ein schmerzhaftes „Nein“ und muss ich dies akzeptieren, dann darf ich mir sicher sein, es dient zu meinem Besten. 
Manchmal kann es uns zweifeln und trotzig werden lassen, bis wir es dann abgeben können und wieder zu der Gewissheit kommen: „Dein Wille geschehe und dein Wille für mich ist immer gut“. Diese Gewissheit zu behalten und in allem zu sagen „Gott ist trotzdem gut“ kann manch einen Kampf zum Sieg führen und den versprochenen Frieden bringen, den die Welt nicht bieten kann.
Ist es aber ein „Nein“ und auch die Ruhe und die Gelassenheit über die Situation bleiben aus, scheint es ein qualvoller Kampf zu werden, der viele Tränen und einen langen Prozess des Loslassens mit sich bringt. Dabei denke ich an Paare, die einander verlieren, an Eltern, die ihre Kinder beerdigen müssen oder an manch eine Krankheit, die nicht geheilt werden kann. Wie qualvoll und schmerzhaft muss das sein? Und trotzdem glaube ich, dass Gott mitgeht und jede Träne mitfühlt und mitweint. In jeder Situation ist er da und bietet seine Hand, wenn es zu schwer wird, seine Schulter, wenn die Tränen fallen und er sagt: „Vertraue mir“. Und dennoch beschließt er aus irgendeinem Grund nicht einzugreifen, sondern dem Leben und dem Verfall seinen Weg gehen zu lassen. 
In der Bibel lesen wir einige Psalmen von Asaf, die als Klagepsalmen bekannt sind. Er richtet seine Bitten an Gott, spiegelt seine Gefühle und seine Wut und die Bitterkeit in seinem Herzen. Es scheint, als fände er nicht wirklich Frieden über seine Klagen und seine Fragen an Gott. Doch in einem Psalm findet er Halt in den Worten:
Ich aber: Gott zu nahen, ist mir gut. Ich habe meine Zuversicht auf den Herrn, HERRN, gesetzt...“ Ps. 73,26 (Elb.)
Ich möchte dich ermutigen, es Asaf gleich zu tun. Bring deinen Schmerz vor Gott, nimm deine Gefühle wahr, auch wenn sie negativ erscheinen und nenne sie vor Gott. Und finde Halt in den Worten: „Ich habe meine Zuversicht auf den Herrn, HERRN, gesetzt...“ (Ps. 73,26). Entscheidend ist nicht, wie kaputt und wütend du beginnst, sondern deine Sichtweise, mit der du aus dem Gespräch mit Gott herausgehst.

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