Der Weg der Vergebung

von Regina Neufeld
Als Kind habe ich folgendes Lied von Nelli Olfert oft gesungen, es aber nicht wirklich verstanden:
"Warum musstest du sterben, Jesus, Gottes Sohn?Warum hast du ertragen Schläge, Spott und Hohn?Warum flossen die Tränen aus dem treuen Gesicht?Warum hast du gelitten? Das versteh’ ich nicht.Warum bleibt du denn stumm stehn, warum wehrst du dich nicht?Warum zeigst du den Menschen nicht dein Strafgericht?Wie ein Lamm schweigst du stille, lässt den Richtern das Wort.In den Augen das Sehnen nach dem Mensch und Gott."
Vor wenigen Tagen haben wir daran gedacht, dass Jesus am Kreuz gestorben ist und wir haben gefeiert, dass er wieder auferstanden ist. Aber hast du dich jemals gefragt, warum unser allmächtige Gott ausgerechnet diesen Weg wählte. Hätte er sich denn keinen anderen Erlösungsplan ausdenken können? Warum musste Jesus sterben?

1. Weil Er uns so sehr liebt

Jesus wusste, als er auf die Erde kam, was auf ihn zukommen würde. In seiner dritten Leidensankündigung sagte er zu seinen Jüngern in Matthäus 20,18-19:
„Siehe, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und der Sohn des Menschen wird den Hohenpriestern und Schriftgelehrten überliefert werden, und sie werden ihn zum Tode verurteilen; und sie werden ihn den Nationen überliefern, um ihn zu verspotten und zu geißeln und zu kreuzigen; und am dritten Tag wird er auferweckt werden.“ (ELB)
Er kam trotz des Wissens, dass er unbeschreibliche Leiden und den Tod, d.h. Trennung von Gott, wird durchleben müssen, auf die Erde, weil er dich und mich liebt:
„Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.“ (Joh 3,16, ELB)
Gott liebt dich. Darum sandte er seinen Sohn auf diese Erde, um ihn zu opfern. Damit du leben kannst. Vorher stand eine dicke Trennwand zwischen Gott und uns. Aber er wollte nicht länger in dieser Distanz zu seinen geliebten Menschen leben. Ein Weg zur Vergebung musste geschaffen werden.

2. Weil es keinen anderen Weg gab

Dass Gott uns Menschen liebt, ist schon ein riesen großes Wunder, wenn wir bedenken, was wir schon alles angerichtet haben. Doch hier hört es nicht auf. Ja, Gott liebt uns unendlich und bedingungslos. Aber er ist auch ein vollkommen gerechter Gott. Darum kann er nicht einfach sagen: „Ok, ihr wart mir zwar ungehorsam und habt unzählige schlimme Dinge getan, aber ich vergebe euch einfach.“ Wir Menschen haben eine so große Schuld auf uns geladen, dass sie Konsequenzen haben muss.
Im Alten Testament mussten die Menschen Opfer bringen, denn „ohne Blutvergießen gibt es keine Vergebung“ (Hebr 9,22b, ELB). Mit der Sünde ist auch der Tod in diese Welt gekommen. Er ist die unvermeidliche Folge. Gott schaffte für sein Volk einen Ausweg, indem er die verschiedenen Opfer einführte. Doch auch diese konnten den Menschen nicht endgültig wieder herstellen. Ein größeres Opfer war nötig. Ein Opfer, das ein für alle mal Vergebung bewirken würde.
Gott wusste, dass es keinen anderen Weg als seinen eigenen Tod zur Erlösung der Menschen gab. Deshalb starb er selbst in der Person Jesu Christi für die ganze Welt. Für dich und für mich.
„Denn das ist mein Blut, das den Bund zwischen Gott und den Menschen besiegelt. Es wird vergossen, um die Sünden vieler Menschen zu vergeben.“ (Mat 26,28, NL)
Nun ist der Weg frei zu Gott.
„Das ist die herrliche Botschaft der Versöhnung, die er uns anvertraut hat, damit wir sie anderen verkünden. ... Denn Gott machte Christus, der nie gesündigt hat, zum Opfer für unsere Sünden, damit wir durch ihn vor Gott gerechtfertigt werden können.“ (2Kor 5,18-21, NL)
Ich möchte euch von einem Traum erzählen, an den ich immer wieder denken muss:
Es ist ein furchtbares Durcheinander. Alle Menschen laufen umher, ohne ein bestimmtes Ziel. Sie schreien und ihre Gesichter sind angsterfüllt. Es macht den Anschein, als sei das Ende der Welt gekommen, denn große Feuerballen fallen vom Himmel auf die Erde, die alles zerstören.
Plötzlich entdecke ich auch mich in dieser Menschenmasse. Ich sehe mich, wie ich, genau wie alle anderen, renne. Ich habe große Angst, gleich sterben zu müssen. Doch ich will noch nicht...
Dann bleibe ich stehen. Ich bleibe einfach stehen in diesem Wirrwarr von Menschen und werde ganz ruhig. Obwohl ich schon länger Christ gewesen bin, wird mir in diesem Moment zum ersten Mal wirklich bewusst, dass ich ein Kind Gottes bin und mir vergeben ist. Mich durchdringt ein so tiefer Friede, wie ich ihn noch nie vorher gespürt habe. Ich bin froh! Ich bin glücklich! Ich habe keine Angst mehr! Und wenn mich jetzt ein Feuerballen erwischen sollte – na und?! Ich komme dann in den Himmel! Dann fängt das Leben doch erst richtig an!!!
Es gab oft Momente, in denen ich mich nicht für gut genug hielt, Jesu Vergebung anzunehmen. Ich dachte, ich muss erst ein besserer Mensch werden. Doch NEIN!
1. Gott liebt mich, so wie ich bin, bedingungslos und immer.
2. Wir können unsere Schuld nicht bezahlen. Sie muss vergeben werden. Ich kann nichts, aber auch rein gar nichts zu Jesu Werk hinzufügen. Sein Opfer war vollkommen. Meine Schuld ist bezahlt. Mir ist vergeben.
Das Lied geht weiter:
"Und ich hör’ eine Stimme: „Das tat ich für dich!Weil die Menschen ich liebe, opferte ich mich!“Auch du kannst heute kommen, danken Jesus, dem Herrn.Alles tat er aus Liebe. Komme heut’ zum Herrn."
Jesus starb, weil er dich liebt und mit dir zusammen sein möchte. Er bietet dir dieses kostenlose Geschenk der Gnade an. Er will dir alles vergeben, was du bisher verbrochen hast und auch was du noch alles an Schuld auf dich laden wirst.
„Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von jeder Ungerechtigkeit.“ (1Joh 1,9, ELB)
Und weißt du, was er dann mit all den Sünden macht? - Er wirft sie weit, weit weg und denkt nicht mehr daran... Du bist frei!
„So fern der Osten vom Westen ist, hat er unsere Verfehlungen von uns entfernt.“ (Ps 103,12, NL)

Foto: Gerd Altmann / pixelio.de; daniel stricker / pixelio.de

Noch keine Kommentare bis jetzt

Einen Kommentar schreiben