Lebst du schon oder liest du noch

von Lilli Albrecht

 

Ich sitze neben meiner Freundin auf dem Beifahrersitz. Wir sind zielgerichtet auf den Landstraßen unseres alltäglichen Lebens unterwegs. Eine theatralische Frau, die im Radio den Verlust ihrer verlorene Liebe besingt, versiegt in der Stille. Meine Augen sind offen, doch meine Gedanken sind verschlossen. Meine ganzen Sinne sind ganz auf mich und meiner Gedankenwelt gerichtet.

Nun lehne ich mich zurück, schließe die Augen, tauche ein in meine Träume.

Ein Mann, nein, mein Mann, von schöner Gestalt, braun gebräunt, gut gebaut, auf den ersten Blick nahe zu perfekt, steht vor mir. Ich kann seinen Atem spüren. Vor nicht all zu langer Zeit gab er mir sein Versprechen, mich zu lieben - für immer und ewig, egal was passiert. Kein Unglück dieser Welt würde etwas an seiner Liebe zu mir ändern. Nie würde er mich mit seinen Worten verletzen, demütigen oder gar untreu sein.

Unsere sehnsüchtigen Blicke treffen sich. Hinter uns geht die Sonne in ihren schönsten Farben unter. Man kann das seichte Rauschen des Meeres hören. Die Zeit scheint stehengeblieben zu sein, nur für diesen ein Moment. Mein Glück ist perfekt.

 

Mein Text fängt seltsam an, nicht wahr?!

Das Thema, um das es hier geht, hat mich persönlich lange beschäftigt. Es gab eine Zeit in meinem Leben, da habe ich die Abende damit verbracht, Liebesroman über Liebesroman zu verschlingen. Es war schon fast eine Sucht. Mit der Zeit bemerkte ich jedoch, dass ich total eingenommen war von den Vorstellungen dieser Romane. Sie beeinflussten mein Handeln, mein Denken, sogar die Erwartungen an Menschen, die letztendlich in Enttäuschungen führten. Es war meine kleine „heile“ Welt. Mein Zufluchtsort.

 

Es handelt sich dabei um einen exzessiven Konsum von Liebesromanen, aber auch von Liebesfilmen.

Ich möchte keine Regeln aufstellen, wie viel zu viel ist. Oder welche Art von Filmen und Büchern vermieden werden sollen. Ich glaube, das können wir alle am besten selbst ehrlich vor Gott prüfen. Ich möchte dir lediglich helfen, deinen Umgang mit diesen Dingen zu reflektieren.

 

Mögliche Auswirkungen bei hohem Konsum von Romanen/Filmen

⁃    Es wird meistens ein falsches Bild von Beziehungen und Liebe vermittelt, das übernommen wird
⁃    Die spürbare menschliche Liebe zu einem Partner wird zum höchsten Glück erklärt
⁃    Sinnerfüllung wird im Partner gesucht
⁃    Es werden falsche und idealistische Maßstäbe an Beziehungen gesteckt, Erwartungen, die sich nicht                    erfüllen, Enttäuschung ist die Folge
⁃    Verlust oder Trübung der Realitätswahrnehmung
⁃    Falsche Prioritätensetzung, man zieht das Lesen vor wichtigen Dingen vor
⁃    Es kann zu einem „Zeitfresser“ werden
⁃    Kann bis zu einer Art der Abhängigkeit gehen
⁃    Zuflucht, die nur von kurzer Dauer ist
⁃    Verdrehung von Wahrheiten, die Verharmlosung oder sogar Sympathie für das Böse wird geweckt
⁃    (Es passieren auch biochemische Prozesse im Körper und Unterbewusstsein, die ich hier allerdings                      nicht erläutern werde)

 

Was sagt die Bibel

In der Bibel steht nichts explizit über dieses Thema. Aber es gibt Hinweise dazu, wie wir den richtigen Umgang mit Dingen in unseres Lebens verhalten sollen.

„Mehr als alles andere behüte dein Herz, denn von ihm geht das Leben aus.“ (Sprüche 4,23)

→  Gott ist unser Herz sehr wichtig, wir sollten darauf achten, was wir hineinlassen

„Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“ (Psalm 90,12)

→ Zeitmanagement - wenn wir das im Blick haben, füllen wir unsere Zeit anders

„Und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die  Wahrheit wird euch frei machen.“ (Johannes 8, 32)

→  Gott möchte uns die Augen für seine Wahrheit öffnen

 

Einige Fragen, die helfen können:

Wie viel Zeit investiere ich in Liebesfilme und Romane in der Woche?

- Welchen Stellenwert haben sie für mich?

- Welche Vorstellungen von Liebe vermitteln sie? Stimmen sie mit den biblischen Werten überein?

- Welche Werte und Vorstellungen habe ich eigentlich?

- Um welche Themen drehen sich meine Gedanken die meiste Zeit?

- Welche Gefühle kommen in mir hoch, wenn ich sie lese/sehe?

- Haben diese Filme/Romane Einfluss auf mein Selbstbild oder meinen Blick auf andere?

- Aus welcher Motivation heraus mache ich das? (Abschalten? Flucht vor der Realität? Ausleben innerer                 Wünsche…)

- Ist ein Verzicht für unbestimmte Zeit denkbar?

 

Praktische Tipps:

1. Frag Gott und bitte ihn, dir Erkenntnis in dieser Angelegenheit zu geben
2. Sei ehrlich zu dir selbst
3. Reflektiere und prüfe das Gelesene
4. Nutze die Bibel, beschäftige dich mit der biblischen Sicht von Liebe
5. Tausche dich mit anderen Christen aus, um herauszufinden, inwiefern dein Denken von falschen Ansichten durch Bücher/Filme beeinflusst worden sind
6. Lass dich korrigieren, auch wenn es dir schwerfällt
7. Setze dir bewusst ein Zeitlimit
8. Sei kritisch in der Wahl deiner Bücher und Filme

 


Foto: Birgit H. / pixelio.de

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